Urheberrechtsverletzungen als Zensurtool

Offenbar war sich ein Polizist in den USA sehr wohl bewusst, daß sein Verhalten auf einem Video aufgezeichnet zu Problemen für Ihn führen könnte. Während der übergriffigen Diensthandlung ließ er laut einen Taylor Swift Song auf dem Handy abspielen, um damit den Youtube Algorithmus implizit anzusteuern. Die Idee des Polizisten: der youtube Filter filtert automatisch Inhalte, die Songs mit Copyright Protection im Ton haben und blockiert dann automatisch. (Das stimmt nur bedingt, da auch Inhalte freigegeben werden können von den Inhabern und dann lediglich eine Zählung zur Zahlung erfolgt.)

Gesetzgeber uneinig über Reform des Urheberrechts

Auch das ist ein neues altes Thema, die sog. Bagatellregel. Der Streit dreht sich um die Länge der Schnipsel, die im Internet sanktionsfrei genutzt werden dürfen, auch wenn man selbst nicht UrheberIn ist. Die eine Seite sagt 15 Sekunden sind zu lang, die andere bleibt stur, Einigung nach wie vor schwierig und nicht in sicht, genausowenig wie ein fairer Interessensausgleich zwischen Rechteverwertern, Techfirmen und UserInnen. Interessant ist in diesem Zusammenhang v.a. wer welche Argumente mit welcher Absicht in den Vordergrund stellt, daher heute mal ausnahmsweise ein Link zu einer anderen “Welt” 😉

Artikel dazu aus der Welt: -> https://www.welt.de/kultur/medien/article228592573/Urheberrecht-vor-Reform-Verbaende-drohen-mit-Verfassungsklage.html

Facebooks “Shopping mall democracy” vs. Australien

UPDATE: Einigung mit News Corp. Es bleibt die Frage, ob das strikte Vorgehen der Regierung in der Causa Australien vs. Facebook reines Eigeninteresse war. -> FAZ v.23.03.21

UPDATE: Google verhält sich verdächtig ruhig dazu, Facebook spielt wieder Nachrichten aus, es scheint einen Kompomiss zu geben, Microsoft reagiert und beginnt Verhandlungen mit der EU. Linksammlung zu Artikeln unten.

Was passiert, wenn es um Geld und Deutungshoheit im Internet geht, sieht man derzeit in Australien. Ein Gesetz soll dafür sorgen, dass für Inhalte die in Suchmaschinen und Plattformen angezeigt werden Gelder an die RechteinhaberInnen fließen. Auch für kleine Ausschnitte.

Das mag Google / Alphabet natürlich gar nicht und auch Facebook sagt zunehmend “gefällt mir nicht”. Aussenstehende können nur schmunzelnd daneben stehen und sich wundern, was so alles verhandelbar ist , wenn ein Gesetzgeber und ein nationaler sowie zwei amerikanische Großunternehmen Userbingo spielen. Google will sein Geschäftsmodell offenbar mit Verhandeln und geschicktem Strippenziehen hinter den Kulissen retten, während Facebook auf Machtspiele setzt und zeigt was in einem privat-öffentlichem Raum nicht geregelt ist: z.B. Zugänge. Kurzerhand wurden alle Nachrichten in Facebook in Australien abgeschaltet. Das ist ähnlich einem Sicherheitsdienst, der in einer Mall (Privatgelände) Leute hinauswirft, die der/die Besitzerin dort nicht haben möchten, weil sie z.B. nicht dem eigentlichen Zweck (Konsum) folgen sondern z.B. per Protest auf etwas aufmerksam machen wollen. In früheren Forschungsarbeiten habe ich hierfür das Wort “Shopping Mall Democracy” entworfen, da es auf den Konflikt zwischen dem öffentlich wirkenden Raum und seiner privaten Deutungshoheit mit eigenen Regeln hinweist.

Nun zeigt sich wieder einmal daß Facebook auch ein solcher Raum mit den entsprechenden Mechanismen der Shopping Mall Democracy ist, denn trotz großer gesellschaftlicher Bedeutung dient Facebook – wie die Mall- dem Konsum und ist den Agierenden keinerlei öffentliches Recht schuldig. In Australien hat man nun dem Staat gezeigt wie es sich mit solchen pseudo-demokratischen Gebilden lebt und einfach den Zugang zur Facebook-Mall versperrt. Dummerweise hat man nicht nur Nachrichten abgeschaltet, sondern auch Meldungen die z.B. den Katastrophenschutz betreffen.

Vielleicht wäre das ein guter Moment an vielen öffentlichen Schaltstellen einmal darüber nachzudenken, daß es besser wäre seine Nachrichten selbst und nicht von Großkonzernen gefiltert zu verbreiten.

Artikel aus der FAZ zur Facebooksperre v.19.02.2021

Mehr zum Thema Facebook / Australien, Leistungssschutz

https://taz.de/Streit-zwischen-Australien-und-Facebook/!5750427/

https://taz.de/Streit-zwischen-Australien-und-Facebook/!5753617/

Mehr zum Thema: Shopping Mall Democracy und private Zenzurbehörde:

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/beitrag-ueber-den-anschlag-von-hanau-facebook-und-instagram-sperren-monitor/26942586.html

Google will (in Australien) nicht für Snippets zahlen

Es könnte zur Abschaltung von Google in Australien kommen, wenn die Regierung bei Ihrem Kurs bleibt und von Google Bezahlung auch für kleinere Textschnipsel fordert. Die Australische Regierung lässt sich davon jedoch offiziell wenig beeindrucken. Im Kern geht es um die Forderung, wie sie auch in Europa mit der EU Urheberechtsrichtline gestellt wird, dass Betreiber von Suchmaschinen für angezeigte Inhalte, die sie nicht selbst erstellt haben zahlen. https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/google-droht-australien-mit-abschaltung-der-suchmaschine-a-a738b74b-a8f7-444e-b40f-1115ba268648