Apple scant Europa, Google auch – neue Streetview Bilder

Es ist eher eine unspektakuläre Meldung, die Daten daraus dürften jedoch umso interessanter sein. Apple möchte seinen Kartendienst mit Bildern verbessern und schickt gerade Autos in Europa herum, die Aufnahmen machen. In einigen Gebieten mit schlechtem Autozugang erledigen das Menschen mit Rucksackkameras. Gleichzeitig erneuert Google seine Datenbasis und schickt ebenfalls Fahrzeuge und Menschen auf Bilderfang. Google verfügt im Gegensatz zu Apple schon über altes Material, damit kann man so einiges an Daten gewinnen, wenn z.B. Änderungen an Orten per Machinelearning explizit verglichen werden und so z.B. Erkenntnisse gewonnen werden können über Immobilienwerte, um ein Beispiel von unzähligen zu skizzieren.
Wenig lustiger Sidekick: die FAZ , die die Meldung heute verbreitete, zeigt mal wieder wenig Vorstellungskraft und kritische Kompetenz , wenn es um digitales geht. Implizit findet man die Kartierung der beiden Großkonzerne toll und unterstellt Datenhoheit der UserInnen indem man auf die Möglichkeit der Verpixelung von Häusern hinweist. Aussredem unterstellt man Transparenz bei der Datenerhebung mit einem Link zu Google, wo man nachsehen kann, wann die Fahrzeuge , wo fahren. Auf der Google Seite stehen untransparent nur das Bundesland und ein Zeitraum von 7 Monaten….

Ein Berliner NGO Projekt hat übrigens beim Protest gegen den Amazon Neubau versucht einen ganzen Stadtteil mit Hilfe einer Bürgerinitiative zu verpixeln.

Wer nicht möchte, dass alle Welt weiss wie man wohnt kann dies bei Apple unter :

MapsImageCollection@apple.com anfordern, bei Google ist es etwas schwieriger (;-)) aber hier kann man sich informieren, wie es geht und wie man sich ggf. beschweren kann. ->

Zensur, Filter und die “Shopping Mall Democracy”

Es ist Sommer, Zeit für ein paar grundsätzliche Statements von einem der Moreprivacy.rocks ichs.

Ich hatte den Begriff “Shopping Mall Democracy” bereits an anderer Stelle eingeführt, in einigen Meldungen, der letzten Tage wurde der Mechanismus dahinter jedoch so präsent, daß ich ihn wiederholen und einordnen möchte: es geht um Zensur im Raum, der sich oft öffentlich gibt, zumindest aber halböffentlich ist und in dem sich staatliche Regeln hinter den Hausregeln der Betreiber anstellen. Dabei ist es egal ob es sich um Geschäftsbedingungen wie bei Facebook handelt oder um Hausregeln wie in der Mall. Verhaltensnormen führen dazu, daß Menschen sich in der Mall oder im virtuell reguliertem Raum eines Messengers oder Netzwerkes treffen können, sich die Orte also als frei zugängliche Orte des Treffens und der Kommunikation verschiedener Akteure darstellen, aber defacto eigenen Regeln folgen, die z.B. das austeilen von Flugblättern verbieten oder die Art und Weise des Aufenthaltes bestimmen. Bei den Sozialen Medien sind das entsprechende Regeln zur Regulierung der Inhalte oder Ästhetik. Beiden gemein ist, daß sie zwar privat sind aber auch oft die einzigen Orte, an denen Öffentlichkeit außerhalb der Großstädte überhaupt statt finden kann. Auch gemein ist beiden, daß sie Geschäftsprinzipien folgen und keine soziale Funktion haben, wie die klassischa Piazza, der Platz in der Stadt oder der öffentliche Raum an sich. Es geht also um den Konsum, oder den Gewinn, auch wenn das so nicht sofort ersichtlich ist. Die Mallbetreiber sind genauso gewinnorientiert wie Marc Zuckerberg(Whatsappinstafacebookundwassonstnoch), auch wenn sie sich menschenfreundlich inszenieren, das Motiv ist das Shareholdervalue und nicht die Stakeholder, also wir, die Menschen und das Soziale einer Gemeinschaft.

Das betrifft im Übrigen Alle Akteure in der IT Welt, es macht kaum Unterschied ob es Apple ist, Google, Telegram oder Andere. Alle sperren auf Geheiss der jeweiligen Staatsmächte Zugänge, geben Daten weiter, regulieren oder überwachen. Egal wie es nach aussen verkauft wird, der Unterschied bewegt sich in Nuancen und ist Teil der Inszenierung.

Wir bemerken es nicht, oder wollen es nicht bemerken, weil wir Teil der schönen neuen Datenwelt sind, aber es ist Vorsicht geboten, denn ganz heimlich aber stetig werden auch die westlichen Demokratien mit ihrem hohen Loblied auf die individuelle Freiheit immer übergriffiger, was die Sammlung von Daten betrifft. Und auf der anderen Seite schleicht sich über private Anbieter immer mehr der Mechanismus des freiwilligen Scorings ein. Wer hat noch nie bei Ebay, Ebay Kleinanzeigen, Amazon, Booking, Google oder sonstwo eine “Bewertung” hinterlassen? Facebook wirbt ganz offen mit der Transparenz über das Verhalten durch die Profile im sozialen Netzwerk und Algorythmen belohnen und bestrafen heimlich wenn die UserInnen viel oder wenig Zeit in den Netzen verbringen. Da ist die Grenze zu Chinas viel gescholtenem Sozialkredit nicht besonders weit. Und wer heute an der Ladentür eines Geschäftes scheitert, weil er sich weigert die Luca App zu benutzen merkt, wie tief sich das System bereits heimlich in unseren Strukturen etabliert hat.

Leider ist der Begriff “Shopping Mall Democracy” etwas irreführend, da er unterstellt die Demokratie funktioniere noch. Die aktuellen Meldungen lassen anderes vermuten. Der Staatstrojaner soll ein weiteres Mal eingeführt werden – > Heise.de, bei einem Opel Zulieferer werden auf wundersame Art Gewerkschaftsseiten blockiert -> FAZ Tiktok will in den USA Biometrische Daten und Audiodaten Sammeln -> Spiegel.de, Apple und Google sperren Telegram Kanäle (Strafverfolgung wo bleibst du, warum machen das Konzerne?) -> Tagesspiegel und auf der Straße tragen alle stolz ihre Handys an Kordeln, wie früher alleine reisende Kinder die Identitätsunterlagen. Alles schön flauschig in der “Shopping Mall Democracy”.

News bei Google und Facebook

Als Australien zu Jahresbeginn große Portale sperrte um etwas Bewegung in die Debatte für die Bezahlung von Nachrichten bei Google. Kritiker behaupteten die Regierung hätte gemeinsame Sache mit dem größten Australischen Medienkonzern gemacht, dem es um Geld für die Inhalte ging. Befürworter freuten, sich weil nun endlich überhaupt Geld bezahlt würde und nicht nur Geld bei den Tech Plattformen hängen bliebe. Dass dieses bezahlte Geld nur Brosamen eines übermächtigen Herrschers wäre, der die Spielregeln bestimmt, wurde in der Häme über die Sperre nur zugern übersehen.

Nun hat es eine Einigung gegeben, wie heute das Handelsblatt -> berichtet. Der australische Medienkonzern Nine Entertainment-> liefert Inhalte und bekommt dafür Geld.

“Der Deal beinhalte die Lieferung von Inhalten für Googles News Showcase für fünf Jahre und für eine ähnliche Facebook-Plattform für drei Jahre. Das in Sydney ansässige Unternehmen – > erwarte für die Verlagseinheit nun ein Wachstum von 30 bis 40 Millionen Australische Dollar (rund 19 bis 25 Millionen Euro) im Geschäftsjahr 2022.” (Handelsblatt, 04.06.2021)

Gleichzeitig gibt es in Deutschland seit Mai auf Facebook News aus einigen Zeitungen zu sehen. Im Facebook Sprech heisst das “Newsfeed für dezidiert journalistische Inhalte” (Heise.de ->) und argumentiert wird mit dem Schutz vor Fake News. Facebook möchte damit die Interessen der UserInnen noch besser kennen lernen und auf dieser Basis relevante Inhalte anzeigen.

Ob Beide Nachrichten für die Verlage eine gute Nachricht sind bleibt zu bezweifeln, denn die UserInnen werden so immer weniger selbst nach für sie relevanten Themen suchen, zumal auf den Originalseiten der Medienhäuser. Die Plattformen lernen noch mehr über die Ansichten, das Verhalten und die Vorlieben der Nutzenden und können damit noch viel genauere Persönlichkeitsprofile in den Markt bringen. Und am Ende wird wohl noch mehr Zeit auf den Plattformen verbracht. Als Zukunftsvision ist es sehr wohl möglich damit Diskussionen, die unter den Artikeln bei den entsprechenden Medien möglich sind zu Facebook und Co zu verschieben, klassisches -> User-nudging. Und dann steht die Frage im Raum, ob Medien die bei dieser Marktkonzentration bewusst nicht mitmachen, nun LeserInnen verlieren und irelevanter werden, was für deren ohnehin fragile Geschäftsmodelle bedrohlich wäre. Ausserdem legt keine der Techplattformen die Algorythmen offen, auf deren Basis Entscheidungen getroffen werden. Bei Tiktok kann man heute schon beobachten, wie kritische Inhalte gefiltert werden, auch wenn der Konzern das dementiert.
Was bedeutet das für unseren Medienkonsum und unsere Meinungsbildung, wenn in Zukunft Facebook und Google entscheiden? Und wie immer ganz zum Schluß kommen die UrheberInnen: bisher hat sich noch keiner mit einem “Hurra” geäussert, denn nach wie vor dürfte gut recherchierter, kritischer Journalismus im Gegensatz zu Influenzer Videos mit den Brosamen des Marktes nach hause gehen.

Zentrale Speicherung – zentrales Problem – Luca APP

Momentan wird eine App zur Kontaktverfolgung sehr medial angepriesen – die LUCA App. Das Aushängeschild SMUDO bewirbt sie Talkshow um Talkshow als Möglichkeit wieder ein “normales” Leben zu führen. Leider hält die App ihre Versprechen zur Privatsphäre nicht, ungewünschtes deanonymisieren und Nachverfolgen ist möglich. In der Reihe der vielen hinausgeworfenen Gelder hat MV und Berlin bereits Lizenzen für 1,1 Mio und 400.000 Euro bestellt. Die private und offizielle App des Bundes will die Kontaktverfolgung sicher und dezentral ab April anbieten.-> Netzpolitik.org zur App

-> Netzpolitik Podcast mit ausführlichen Infos

Gesetzgeber uneinig über Reform des Urheberrechts

Auch das ist ein neues altes Thema, die sog. Bagatellregel. Der Streit dreht sich um die Länge der Schnipsel, die im Internet sanktionsfrei genutzt werden dürfen, auch wenn man selbst nicht UrheberIn ist. Die eine Seite sagt 15 Sekunden sind zu lang, die andere bleibt stur, Einigung nach wie vor schwierig und nicht in sicht, genausowenig wie ein fairer Interessensausgleich zwischen Rechteverwertern, Techfirmen und UserInnen. Interessant ist in diesem Zusammenhang v.a. wer welche Argumente mit welcher Absicht in den Vordergrund stellt, daher heute mal ausnahmsweise ein Link zu einer anderen “Welt” 😉

Artikel dazu aus der Welt: -> https://www.welt.de/kultur/medien/article228592573/Urheberrecht-vor-Reform-Verbaende-drohen-mit-Verfassungsklage.html

Facebooks “Shopping mall democracy” vs. Australien

UPDATE: Einigung mit News Corp. Es bleibt die Frage, ob das strikte Vorgehen der Regierung in der Causa Australien vs. Facebook reines Eigeninteresse war. -> FAZ v.23.03.21

UPDATE: Google verhält sich verdächtig ruhig dazu, Facebook spielt wieder Nachrichten aus, es scheint einen Kompomiss zu geben, Microsoft reagiert und beginnt Verhandlungen mit der EU. Linksammlung zu Artikeln unten.

Was passiert, wenn es um Geld und Deutungshoheit im Internet geht, sieht man derzeit in Australien. Ein Gesetz soll dafür sorgen, dass für Inhalte die in Suchmaschinen und Plattformen angezeigt werden Gelder an die RechteinhaberInnen fließen. Auch für kleine Ausschnitte.

Das mag Google / Alphabet natürlich gar nicht und auch Facebook sagt zunehmend “gefällt mir nicht”. Aussenstehende können nur schmunzelnd daneben stehen und sich wundern, was so alles verhandelbar ist , wenn ein Gesetzgeber und ein nationaler sowie zwei amerikanische Großunternehmen Userbingo spielen. Google will sein Geschäftsmodell offenbar mit Verhandeln und geschicktem Strippenziehen hinter den Kulissen retten, während Facebook auf Machtspiele setzt und zeigt was in einem privat-öffentlichem Raum nicht geregelt ist: z.B. Zugänge. Kurzerhand wurden alle Nachrichten in Facebook in Australien abgeschaltet. Das ist ähnlich einem Sicherheitsdienst, der in einer Mall (Privatgelände) Leute hinauswirft, die der/die Besitzerin dort nicht haben möchten, weil sie z.B. nicht dem eigentlichen Zweck (Konsum) folgen sondern z.B. per Protest auf etwas aufmerksam machen wollen. In früheren Forschungsarbeiten habe ich hierfür das Wort “Shopping Mall Democracy” entworfen, da es auf den Konflikt zwischen dem öffentlich wirkenden Raum und seiner privaten Deutungshoheit mit eigenen Regeln hinweist.

Nun zeigt sich wieder einmal daß Facebook auch ein solcher Raum mit den entsprechenden Mechanismen der Shopping Mall Democracy ist, denn trotz großer gesellschaftlicher Bedeutung dient Facebook – wie die Mall- dem Konsum und ist den Agierenden keinerlei öffentliches Recht schuldig. In Australien hat man nun dem Staat gezeigt wie es sich mit solchen pseudo-demokratischen Gebilden lebt und einfach den Zugang zur Facebook-Mall versperrt. Dummerweise hat man nicht nur Nachrichten abgeschaltet, sondern auch Meldungen die z.B. den Katastrophenschutz betreffen.

Vielleicht wäre das ein guter Moment an vielen öffentlichen Schaltstellen einmal darüber nachzudenken, daß es besser wäre seine Nachrichten selbst und nicht von Großkonzernen gefiltert zu verbreiten.

Artikel aus der FAZ zur Facebooksperre v.19.02.2021

Mehr zum Thema Facebook / Australien, Leistungssschutz

https://taz.de/Streit-zwischen-Australien-und-Facebook/!5750427/

https://taz.de/Streit-zwischen-Australien-und-Facebook/!5753617/

Mehr zum Thema: Shopping Mall Democracy und private Zenzurbehörde:

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/beitrag-ueber-den-anschlag-von-hanau-facebook-und-instagram-sperren-monitor/26942586.html

Gangbang.pdf? Was Druckdateien so petzen….

Beim nächsten Drucken eines Dokuments auf einer öffentlichen Maschine ist es gut sich an den Artikel in der Netzpolitik zum Thema: “gesammelte Dateinamen von Druckdaten im Europäischen Parlament” zu erinnern. Dort wurden über mehr als 18 Monate Name und Inhalt des Dokuments, sowie der Nutzername gespeichert. Dieser wiederum ließ sich per Chipkarte rückverfolgen.

Auch im allgemeinen Gebrauch ist das Thema Druckdaten heikel, denn die meisten professionellen Drucker verwenden interne Festplatten. Die nicht fachgerechte aber billigere Entsorgung von Altgeräten hat auf diese Weise schon manches Schätzchen in die Öffentlichkeit gebracht. Mittlerweile kann das zumindest im EU-Parlament nicht mehr so lange passieren -die Speicherfrist auf 192 Stunden begrenzt.

E- Commerce Richtlinie vs. DigitalServicesAct

Zwei Wortmonster aus der EU Kommission sollen den digitalen Marktraum regeln: die E-Commerce Richtlinie aus dem Jahr 2000 soll in naher Zukunft durch den Digital Services Act abgelöst werden. Im Kern geht es um eine Regulierung der großen “Türsteher” Portale wenn sie in Europa Geschäftlich tätig sind. Am Ende betrifft das auch kleinere und europäische Anbieter, es könnte diesen aber durchaus helfen wenn der komplette Markt reguliert wird und sie damit vor hauseigenen Regeln der großen Marktteilnehmer geschützt würden. -> Zeit vom 14.12.2020

Fun Fact am Rande: eine geleaktes Papier zeigt die Strategie, mit der Google ein Lobbyfeuerwerk gegen den DSA zünden wollte. Darin stand eine Reihe kleinerer Unternehmen als Mitstreiter gegen die Neufassung. Allerdings äusserten sich die genannten “Gegner” des DSA nun öffentlich als Befürworter und daß sie froh seien wenn sie gesetzlich vor geschützt werden vor Google. -> Handelsblatt Artikel

Hintertüren für Nachrichten in der EU

Die EU plant ein Gesetz, welches den Einbau von Hintertüren in verschlüßelte Kommunikation, wie z.B. bei WhatsApp, vorschreibt. Artikel aus der Zeit vom 16.12.2020

Würde man potentiell alle Eingangstüren von Wohnhäusern mit einem Generalschlüßel betreten können, käme das dem Vorhaben ungefähr gleich. Verschlüßelte Kommunikation soll von Sicherheitsbehörden per extra Zugang mitgelesen werden dürfen.

Das ist per se schon gefährlich, wenn ein solcher Generalzugang einmal existiert kann er gestohlen oder missbraucht werden, aber selbst an sich ist es ein ziemlich weitreichendes Eindringen in unsere Privatsphäre. Und es besteht natürlich auch immer die Gefahr des Missbrauches, auch in Behörden, wie die Skandale um abgefragte Datensätze in Polizeibehörden (link: N-TV Artikel, Golem.de Artikel) unlängst zeigten. Allerdings könnte das das Gesetz entweder in der Abstimmung scheitern oder die obersten Gerichte (wieder) einmal den Gesetzgeber in seine Schranken weisen, siehe Vorratsdatenspeicherung .