Zensur, Filter und die “Shopping Mall Democracy”

Es ist Sommer, Zeit für ein paar grundsätzliche Statements von einem der Moreprivacy.rocks ichs.

Ich hatte den Begriff “Shopping Mall Democracy” bereits an anderer Stelle eingeführt, in einigen Meldungen, der letzten Tage wurde der Mechanismus dahinter jedoch so präsent, daß ich ihn wiederholen und einordnen möchte: es geht um Zensur im Raum, der sich oft öffentlich gibt, zumindest aber halböffentlich ist und in dem sich staatliche Regeln hinter den Hausregeln der Betreiber anstellen. Dabei ist es egal ob es sich um Geschäftsbedingungen wie bei Facebook handelt oder um Hausregeln wie in der Mall. Verhaltensnormen führen dazu, daß Menschen sich in der Mall oder im virtuell reguliertem Raum eines Messengers oder Netzwerkes treffen können, sich die Orte also als frei zugängliche Orte des Treffens und der Kommunikation verschiedener Akteure darstellen, aber defacto eigenen Regeln folgen, die z.B. das austeilen von Flugblättern verbieten oder die Art und Weise des Aufenthaltes bestimmen. Bei den Sozialen Medien sind das entsprechende Regeln zur Regulierung der Inhalte oder Ästhetik. Beiden gemein ist, daß sie zwar privat sind aber auch oft die einzigen Orte, an denen Öffentlichkeit außerhalb der Großstädte überhaupt statt finden kann. Auch gemein ist beiden, daß sie Geschäftsprinzipien folgen und keine soziale Funktion haben, wie die klassischa Piazza, der Platz in der Stadt oder der öffentliche Raum an sich. Es geht also um den Konsum, oder den Gewinn, auch wenn das so nicht sofort ersichtlich ist. Die Mallbetreiber sind genauso gewinnorientiert wie Marc Zuckerberg(Whatsappinstafacebookundwassonstnoch), auch wenn sie sich menschenfreundlich inszenieren, das Motiv ist das Shareholdervalue und nicht die Stakeholder, also wir, die Menschen und das Soziale einer Gemeinschaft.

Das betrifft im Übrigen Alle Akteure in der IT Welt, es macht kaum Unterschied ob es Apple ist, Google, Telegram oder Andere. Alle sperren auf Geheiss der jeweiligen Staatsmächte Zugänge, geben Daten weiter, regulieren oder überwachen. Egal wie es nach aussen verkauft wird, der Unterschied bewegt sich in Nuancen und ist Teil der Inszenierung.

Wir bemerken es nicht, oder wollen es nicht bemerken, weil wir Teil der schönen neuen Datenwelt sind, aber es ist Vorsicht geboten, denn ganz heimlich aber stetig werden auch die westlichen Demokratien mit ihrem hohen Loblied auf die individuelle Freiheit immer übergriffiger, was die Sammlung von Daten betrifft. Und auf der anderen Seite schleicht sich über private Anbieter immer mehr der Mechanismus des freiwilligen Scorings ein. Wer hat noch nie bei Ebay, Ebay Kleinanzeigen, Amazon, Booking, Google oder sonstwo eine “Bewertung” hinterlassen? Facebook wirbt ganz offen mit der Transparenz über das Verhalten durch die Profile im sozialen Netzwerk und Algorythmen belohnen und bestrafen heimlich wenn die UserInnen viel oder wenig Zeit in den Netzen verbringen. Da ist die Grenze zu Chinas viel gescholtenem Sozialkredit nicht besonders weit. Und wer heute an der Ladentür eines Geschäftes scheitert, weil er sich weigert die Luca App zu benutzen merkt, wie tief sich das System bereits heimlich in unseren Strukturen etabliert hat.

Leider ist der Begriff “Shopping Mall Democracy” etwas irreführend, da er unterstellt die Demokratie funktioniere noch. Die aktuellen Meldungen lassen anderes vermuten. Der Staatstrojaner soll ein weiteres Mal eingeführt werden – > Heise.de, bei einem Opel Zulieferer werden auf wundersame Art Gewerkschaftsseiten blockiert -> FAZ Tiktok will in den USA Biometrische Daten und Audiodaten Sammeln -> Spiegel.de, Apple und Google sperren Telegram Kanäle (Strafverfolgung wo bleibst du, warum machen das Konzerne?) -> Tagesspiegel und auf der Straße tragen alle stolz ihre Handys an Kordeln, wie früher alleine reisende Kinder die Identitätsunterlagen. Alles schön flauschig in der “Shopping Mall Democracy”.

News bei Google und Facebook

Als Australien zu Jahresbeginn große Portale sperrte um etwas Bewegung in die Debatte für die Bezahlung von Nachrichten bei Google. Kritiker behaupteten die Regierung hätte gemeinsame Sache mit dem größten Australischen Medienkonzern gemacht, dem es um Geld für die Inhalte ging. Befürworter freuten, sich weil nun endlich überhaupt Geld bezahlt würde und nicht nur Geld bei den Tech Plattformen hängen bliebe. Dass dieses bezahlte Geld nur Brosamen eines übermächtigen Herrschers wäre, der die Spielregeln bestimmt, wurde in der Häme über die Sperre nur zugern übersehen.

Nun hat es eine Einigung gegeben, wie heute das Handelsblatt -> berichtet. Der australische Medienkonzern Nine Entertainment-> liefert Inhalte und bekommt dafür Geld.

“Der Deal beinhalte die Lieferung von Inhalten für Googles News Showcase für fünf Jahre und für eine ähnliche Facebook-Plattform für drei Jahre. Das in Sydney ansässige Unternehmen – > erwarte für die Verlagseinheit nun ein Wachstum von 30 bis 40 Millionen Australische Dollar (rund 19 bis 25 Millionen Euro) im Geschäftsjahr 2022.” (Handelsblatt, 04.06.2021)

Gleichzeitig gibt es in Deutschland seit Mai auf Facebook News aus einigen Zeitungen zu sehen. Im Facebook Sprech heisst das “Newsfeed für dezidiert journalistische Inhalte” (Heise.de ->) und argumentiert wird mit dem Schutz vor Fake News. Facebook möchte damit die Interessen der UserInnen noch besser kennen lernen und auf dieser Basis relevante Inhalte anzeigen.

Ob Beide Nachrichten für die Verlage eine gute Nachricht sind bleibt zu bezweifeln, denn die UserInnen werden so immer weniger selbst nach für sie relevanten Themen suchen, zumal auf den Originalseiten der Medienhäuser. Die Plattformen lernen noch mehr über die Ansichten, das Verhalten und die Vorlieben der Nutzenden und können damit noch viel genauere Persönlichkeitsprofile in den Markt bringen. Und am Ende wird wohl noch mehr Zeit auf den Plattformen verbracht. Als Zukunftsvision ist es sehr wohl möglich damit Diskussionen, die unter den Artikeln bei den entsprechenden Medien möglich sind zu Facebook und Co zu verschieben, klassisches -> User-nudging. Und dann steht die Frage im Raum, ob Medien die bei dieser Marktkonzentration bewusst nicht mitmachen, nun LeserInnen verlieren und irelevanter werden, was für deren ohnehin fragile Geschäftsmodelle bedrohlich wäre. Ausserdem legt keine der Techplattformen die Algorythmen offen, auf deren Basis Entscheidungen getroffen werden. Bei Tiktok kann man heute schon beobachten, wie kritische Inhalte gefiltert werden, auch wenn der Konzern das dementiert.
Was bedeutet das für unseren Medienkonsum und unsere Meinungsbildung, wenn in Zukunft Facebook und Google entscheiden? Und wie immer ganz zum Schluß kommen die UrheberInnen: bisher hat sich noch keiner mit einem “Hurra” geäussert, denn nach wie vor dürfte gut recherchierter, kritischer Journalismus im Gegensatz zu Influenzer Videos mit den Brosamen des Marktes nach hause gehen.

Gesundheitsämter hacken mit der Luca App

Diese Woche hat der Sicherheitsforscher Makus Mengs eine gravierende Sicherheitslücke in der Luca App veröffentlicht. In kurz gefasst ist es möglich Schadcode über die Luca App in die Software der Gesundheitsämter einzuschleusen. Wie der Hack genau funktioniert wird in diesem -> Video ausführlich erklärt . Was für Risiken damit zusammenhängen, v.a. auch zukünftige und wie Luca zwar ein gewiefter Verkäufer ist, aber mehr eben auch nicht kann man hier nachlesen -> Artikel in der Zeit; -> Netzpolitik.org zur Luca App Lücke

“Luca hat das Risiko – wie immer – kleingeredet, statt es ernst zu nehmen.” Die Schwachstelle sei in wenigen Minuten zu beheben, “was es umso schlimmer macht, dass Nexenio den Fehler überhaupt gemacht und dann auch noch herumdiskutiert hat, statt sauber zu arbeiten”. (Zeit Online: “Luca-App:Hacker können Gesundheitsämter über Luca angreifen”, 27.05.2021)

Warum muss schon wieder über die LUCA APP berichtet werden? Weil es nicht sein kann, daß ein Staat Millionen ausgibt für ein Produkt, das allemal mangelhaft , eher gefährlich ist. Zumal es eine offizielle App und eine Reihe von anderen Anbietern gibt, die einfach gar nicht zum Zuge gekommen sind, weder bei der Vergabe noch bei Anne Will.

Eine gute Übersicht zu den momentan am Markt befindlichen Kontakt Nachverfolgungs Apps gibt es bei der –> Handwerkskammer Frankfurt als PDF zum Download. Handwerker die echtes Handwerk pflegen ….

Nachtrag: 28.05.2021 : Heute ist das Thema auch in der FAZ angekommen. Wie schon der Zeitpunkt vermuten läßt glänzt der Autor weder mit Weitsicht noch breitem Fachwissen, er bezieht sich wohl eher auf Reaktionen der APP Macher, so schreibt er: “Potentielle Opfer der Lücke sind folglich die Gesundheitsämter, nicht die Nutzer der App. Für letztere besteht keine Gefahr, angegriffen zu werden. Sie können nur gegebenenfalls mittelbar zu Opfern werden, wenn es Hackern gelingt, die Daten zu stehlen, die in die Luca-App eingegeben wurden – also in der Regel Name, Telefonnummer und E-Mail-Adresse.” (Bastian Benrath, Wirtschaftsredakteur, Hervorhebung nicht im Original)

Wie in dem ausführlichen Video von Makus Mengs zu sehen ist kann mehr passieren, als in dem FAZ Artikel steht. Alleine die Gefahr für die anderen Gesundheitsämter, die zentral über SORMAS verbunden sind darf nicht unterschätzt werden. An dieser Stelle darf man sich fragen ob das Alles ok ist: eine Firmensoftware, die in Sormas (immerhin offizielle Gesundheitsdaten!) angebunden wurde und deren Quellcode zum Zeitpunkt der Einbindung keinesfalls offengelegt war…Und wer sagt denn, dass nicht massenhaft Daten hieraus exportiert werden könnten bei Angriffen von aussen über die APP? Jedenfalls nicht Bastian Benrath und die FAZ….

< persönliche Notiz 🙂 > Wenn das so weitergeht mache ich einen eigenen Tag mit der Luca app und den Sicherheitsbedenken dazu auf… < / persönliche Notiz 🙂 LOL*>

Zentrale Speicherung – zentrales Problem – Luca APP

Momentan wird eine App zur Kontaktverfolgung sehr medial angepriesen – die LUCA App. Das Aushängeschild SMUDO bewirbt sie Talkshow um Talkshow als Möglichkeit wieder ein “normales” Leben zu führen. Leider hält die App ihre Versprechen zur Privatsphäre nicht, ungewünschtes deanonymisieren und Nachverfolgen ist möglich. In der Reihe der vielen hinausgeworfenen Gelder hat MV und Berlin bereits Lizenzen für 1,1 Mio und 400.000 Euro bestellt. Die private und offizielle App des Bundes will die Kontaktverfolgung sicher und dezentral ab April anbieten.-> Netzpolitik.org zur App

-> Netzpolitik Podcast mit ausführlichen Infos

Microsoft gefährlich und unerwünscht

Schlechte Zeiten für den Softwareriesen Microsoft: nachdem der Exchange Server Hack, aufgrund einer Sicherheitslücke von dem offensichtlich auch Bundesbhörden betroffen waren, für Schlagzeilen sorgte –> Tagesspiegel, ->FAZ, -> Heise.de folgen noch mehr Probleme für das öffentliche Ansehen.
Der Datenschutzbeauftragte von Mecklenburg-Vorpommern will keine Microsoft Produkte mehr innerhalb der Behörden, da der Datenschutz nicht garantiert werden kann. –> Heise.de

Mehr Regulierung auch in den USA für Big Tech

Die DSGVO hat es vorgemacht, daß man sich auf ein Mindestmaß an Datenschutz auch beim Gesetzgeber einigen kann. Nun hat auch Californien ein Datenschutzgesetz und der neue amerikanische Präsident Biden möchte nun auch die großen PLattformen regulieren. Über seine Inspiration darf man noch weiter recherchieren, Facebook ist jedoch schon mal im Alarmzustand und will klagen.

Artikel dazu im Handelsblatt: -> https://www.handelsblatt.com/politik/international/technologiebranche-regulierungsoffensive-in-den-usa-bringt-tech-riesen-in-bedraengnis/27017942.html

Google will (in Australien) nicht für Snippets zahlen

Es könnte zur Abschaltung von Google in Australien kommen, wenn die Regierung bei Ihrem Kurs bleibt und von Google Bezahlung auch für kleinere Textschnipsel fordert. Die Australische Regierung lässt sich davon jedoch offiziell wenig beeindrucken. Im Kern geht es um die Forderung, wie sie auch in Europa mit der EU Urheberechtsrichtline gestellt wird, dass Betreiber von Suchmaschinen für angezeigte Inhalte, die sie nicht selbst erstellt haben zahlen. https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/google-droht-australien-mit-abschaltung-der-suchmaschine-a-a738b74b-a8f7-444e-b40f-1115ba268648